Wie ist es um die internationale Sicherheit bestellt? Was bedroht die globale Sicherheit aktuell am meisten? Wie viele Kriege werden gerade geführt? [SIC!] hat dazu Experten befragt. Ein Bericht.
Sieben Kriege im Jahr 2009
Sieben Kriege und weitere 358 politische Konflikte weltweit hat das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) im vergangenen Jahr gezählt. „Die internationale Sicherheitssituation ist prekär und fragil“, meint Sicherheitsexperte Alexander Klimburg vom Österreichischen Institut für Internationale Politik (oiip) gegenüber [SIC!].
Die Wirtschaftskrise, Umweltzerstörungen, nukleare Rüstung, Terrorismus, Pandemien, Armut und Hunger nennt Politologe Heinz Gärtner (oiip) die globalen Herausforderungen. Oberstleutnant Nikolaus Rottenberger, Sicherheitsberater im Verteidigungsministerium, ergänzt Flüchtingsströme, Korruption, Zugang zu Ressourcen und Organisierte Kriminalität. Aber auch Kriegswirtschaft, Sicherheitsunternehmen, Privatarmeen und „Warlords“ (Kriegsherren): „Waffenhandel heizt Kriege weiter an. Besonders der Handel billiger, kleiner Leichtwaffen ist alarmierend“, so Rottenberger.
Dritter Weltkrieg: USA gegen China
„Einen Dritten Weltkrieg schließe ich aus, selbst für Nuklearwaffen kann ich mir kein Szenario vorstellen. Es kann sein, dass es unbedachte Aktionen gibt, die regional zerstörerisch sind“, sagt Gärtner. Klimburg spekuliert über ein Weltkriegs-Szenario zwischen China und den USA. Rottenberger hält den Ausbruch eines Dritten Weltkriegs „zumindest für die nächsten zehn Jahre” für unwahrscheinlich.
In einer [SIC!]-Umfrage vermutet fast die Hälfte der Befragten Streit um Wasser, gefolgt von Energie und Öl als Ursache für einen globalen Krieg. Für Rottenberger ist die internationale Konkurrenz um Energieressourcen in Afrika und dem Nahen Osten eminenter als “zukünftige Kriege um Wasser”. „Strategische Ressourcen wie Öl, Gas und insbesondere ‚Seltenerdmetalle’ haben ab 2012 das Potenzial, die globale Sicherheit ernsthaft zu beeinflussen“, meint Klimburg. Dagegen meint Gärtner: „Eine bessere, kooperative Verteilung zeichnet sich auf globaler Ebene eher ab, gewaltsame Lösungen sind da unwahrscheinlich.“
Cybertechnologie und Nuklearterroristen
Für HIIK-Vorstandsmitglied Natalie Hoffmann geht die stärkste Bedrohung für die globale Sicherheit von innerstaatlichen Konflikten aus. „Die größte Bedrohung überhaupt sind die Herabsetzung der ‚Konflikt-Schwelle’ durch eine Neudefinition von Gewalt, z. B. Cyber-Kriegsführung, Spionage, etc. sowie Staaten, die sich selbst zunehmend aus der internationalen Gemeinschaft herausnehmen“, sagt Klimburg. „Cybertechnologie als Kriegsmittel wird, glaube ich, übertrieben“, entschärft Gärtner. Auch hinsichtlich Nuklearwaffen meint er: „In etwa zehn bis 15 Jahren werden die Staaten umdenken und erkennen, dass Atomwaffen keinen Gewinn bringen.“ Wenn allerdings Nuklearterroristen Atomwaffen in die Hände bekämen, würden sie diese schon einsetzen.
Viola Bauer

![[sic!] DieZeitung](http://sicmagazin.files.wordpress.com/2010/06/s1.jpg?w=200&h=300)
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